, Samuel Guéra

Herren NLB: Ziel verfehlt

Im letzten Matchbericht hatte es geheissen, dass nun mühsame Rechenspiele folgten und weil wir dies so mühsam fanden und wir alle totale Mathematikmuffel sind, machten wir es uns einfach und vergaben Punkte. So war es bereits nach Spielschluss ganz sicher, dass wir nicht in den «Aufstiegsspielen» sind – da brauchte es nicht einmal einen Liveticker und schon gar keinen Taschenrechner – auch keine Regelkunde, ob denn nun Direktbegegnung vor Satzverhältnis stünde. Alles egal, einfach ausgeschieden. Punkt.

Das Saisonziel den Titel zu holen wäre damit etwas sehr früh verfehlt. Natürlich hatten wir das kommen sehen und waren diesbezüglich in letzter Zeit etwas kleinlauter (wir nahmen, wie man das im Sport so herrlich mantraartig herunterbetet, Spiel für Spiel). Sich dieses hohe Ziel zu setzen war hingegen kein Fehler. Das Kader stimmte, die Fähigkeiten waren da, aber dann kam eben das richtige Leben dazwischen.

Es ist nämlich gar nicht so einfach, als neu zusammengesetztes Team auf diesem Niveau gleich zu funktionieren. Erschwerend kam hinzu, dass einige Spieler aufgrund ihrer privaten Situation zu wenig trainierten und damit diesen Prozess entschleunigten (Entschleunigung soll ja im Yoga gut sein; aber das ist halt nicht Yoga). Da kann es schon mal sein, dass hie und da ein Detail nicht stimmt und das reicht dann eben schon, dass es nicht reicht. (Hauptsache Wortspiel. So macht immerhin das Schreiben Spass, denn das Nichterreichen der «Aufstiegsspiele» wurmt den Autoren grausam.)

Zum letzten Spiel der Quali gegen Oberdiessbach. Dieses war in vielerlei Hinsicht eine Zusammenfassung der bisherigen Saison. Das beginnt mit der traditionellen gelben Karte für Bürgi, der freilich dieses Mal nicht viel dafür konnte. Seine fehlenden Fähigkeiten, seine Schnürsenkel ausreichend zuzuknöpfen, provozierten eine Spielverzögerungskarte. Da überraschte uns Schiedsrichter Droguett ordentlich, aber nicht zum einzigen Mal. Der sowohl stil- als auch regelsichere Unparteiische pfiff in einer anderen Situation dem Diessbacher Passeuren eine Passeurfinte mit dem Grundspielerzeichen ab. Die Verwirrung total (zwischen ou peinlich, der liegt brutal daneben und hoppla, falsches Zeichen), aber eben, am Ende der Erklärungen musste man attestieren, dass alle ausser ihm übersehen hatten, dass der Libero ein unerlaubtes Zuspiel zum Passeuren tätigte. Nun gut, ich kannte diese Problemstellung noch nicht einmal und die Schuhe binde ich mir in der Regel ausreichend straff.

Auch unsere Leistung war symptomatisch. Zwei Sätze lang dominierten wir klar und gewannen souverän. Es folgte eine Baisse, in welcher wir wiederum zwei Sätze gegen ein kämpferisch auftretendes Oberdiessbach verloren. Der Fünfte war dann wieder stark und souverän von uns. Das war sinnbildlich für unsere bisherigen Leistungen. Wenn wir stark aufspielten, waren wir nur schwer zu schlagen – zuletzt auch in Basel mit zwei gewonnen Sätzen. Doch dann kamen immer wieder diese Tiefen aus dem Nichts. Da reichte es weder gegen Basel noch gegen Oberdiessbach. Auch typisch war, dass wir aus diesen Tiefen immer wieder herauskamen. Den Fünften gegen Oberdiessbach gewannen wir, so auch den Vierten gegen Basel (nach einer 13:25 Klatsche). Schade, dass wir diese Charakterstärke nicht besser ausspielen konnten und letztlich unsere Schwächephasen nicht besser unter Kontrolle kriegten, denn ohne diese wären wir in den «Aufstiegsspielen», da bin ich mir sicher.

Nun gut, die Ziele werden uns auch in der Abstiegsrunde nicht ausgehen – einfach finden müssen wir die noch. Nicht absteigen wäre eines; oder Tanzen lernen mit Stadelmann, vielleicht Entschleunigung mit Guéra, wer weiss.